Die Dolomiten - Neues Weltnaturerbe der UNESCO
Charles-Edouard Jeanneret-Gris war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Mit seinem einzigartigen Planungsstil, seinen fünf Punkten zu einer „neuen Architektur“ und unter seinem Pseudonym „Le Corbusier“ hat er es zu Weltruhm gebracht. Le Corbusier war aber auch Stadtplaner und Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbeldesigner. Diese Vielseitigkeit brachte dem Mann Kompetenz und eine hoch geschätzte Aussagekraft ein. Dass er über die Dolomiten einst befand, sie seien „die schönste natürliche Architektur der Welt“, hallt bis heute zwischen den schroffen Wänden südlich des Brenners nach.
Ende Juni 2009 erhob die UNESO die Dolomiten bei ihrer Sitzung im spanischen Sevilla in den Rang eines Weltnaturerbes und beschrieb sie in der Laudatio als eine der „schönsten Berglandschaften der Erde.“ Der einzigartige Lebensraum steht damit auf einer Stufe mit Naturwundern wie dem Great Barrier Reef vor Australien, dem Grand Canyon in den USA, den Galapagos-Inseln vor Ecuador oder dem Serengeti-Nationalpark in Tansania. Dies sei „die weltweit höchste Anerkennung für eine Naturstätte und die Krönung unserer Landschaftspolitik – eine einzigartige Visitenkarte“, lies Luis Durnwalder, Südtirols ranghöchster Politiker, wissen.
Durnwalder ist nicht allein im „Fanklub Dolomiten“. Die sagenhaften Berge zwischen Brenner und dem Gardasee, zwischen Sexten und Klausen hatten immer schon und zu allen Zeiten ihre Bewunderer. Albrecht Dürer (1471 – 1528) verewigte idyllische Ausschnitte der Dolomiten auf Aquarellen. Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) wurde auf seiner berühmten Italienreise 1786 derart von den bleichen Formationen beeindruckt, dass er eifrig die „ungewöhnliche Farbe dieser Berge“ mit „ihren schönen, einzigartigen und schroffen Formen“ notierte.
Was das alles mit dem Tauferer Ahrntal zu tun hat? Sehr, sehr viel! Das lässt sich leicht feststellen, wenn man die Augen öffnet. Hans Kammerlander, Südtiroler Extrembergsteiger aus dem Tauferer Ahrntal, ist im Laufe seiner alpinen Jahre und weltweiten Leistungen, zu einer gar nicht so erstaunlichen, aber höchst sinnreichen Erkenntnis gekommen. Fast ein wenig belustigt, stellte er kürzlich im Kreise anderer Bergsteiger im Café des „Residence-Hotel Alpinum“ in Sand in Taufers fest: „Die schönsten Berge der Welt haben einen gravierenden Nachteil: Wenn man sie endlich bestiegen hat und auf ihren Gipfeln steht, sieht man sie selbst nicht mehr.“
Was liegt also näher, als eine gewisse respektvolle Distanz zu halten? Das erhöht zumindest den Überblick. Und los geht’s: Mit der Speikbodenbahn schwebt man in nur acht Minuten in den siebten Berghimmel. Am Sonnklargipfel breitet sich die ganze Dolomitenpracht von den Drei Zinnen zum Peitlerkofel und von der Marmolada bis zum Langkofel vor den Augen des erstaunten Betrachters aus. Einen schöneren Blick auf das neue Weltkulturerbe gibt es fast nicht. Und immer am Dienstag schwebt die Bahn schon morgens um 6 Uhr zum Sonnenaufgang dem Himmel entgegen.
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